Naturkosmetiksektor: Vertriebswege, Transparenz und Markenentwicklung im Spiegel

Nürnberg, Naturkosmetiksektor. Drogeriemärkte, Apotheke, Parfümerien oder die verschiedenen Einzelhandelsgeschäfte rund um Bioeinzelhandel: viele Vertriebswege gibt in es im Grunde in Deutschland für Naturkosmetikprodukte. Doch welcher ist der richtige im Naturkosmetiksektor? Wolf Lüdge, der neue Geschäftsführer des Naturkosmetik Verlages (Dortmund) lud auf der Vivaness 2017 zur Podiumsdiskussion. Mit dabei: Ramon Stroink (Weleda AG), Stephan Becker (Cosmondial GmbH –  Benecas dekorative Kosmetik), Axel Riegmüller (Dr. Bronners) und Jean-Claude Richard (Farfalla Naturkosmetik).

Ergebnis: Vor allem größere Unternehmen wie Weleda setzen auf die Drogeriemärkte, die laut vorgelegten Statistik von Lüdge 40 Prozent des gesamten Umsatzes im deutschen Markt generieren. Sie sind zudem, bei aller verschärften Konkurrenz zwischen den beiden führenden Drogeriefilialisten, die Träger des Umsatzwachstums der gesamten Naturkosmetikbranche. Kleinere Unternehmen wie Cosmondial und Dr. Bronners – Riegmüller: „In Deutschland sind wir quasi noch ein Start up“ – sehen hingegen ihre Vertriebswege im Natur-/Naturkosmetikfachhandel, obwohl dieser nur 28 Prozent Marktanteil hat. Tendenz fallend. Farfalla Naturkosmetik setzt für die Schweiz ebenfalls auf den Vertrieb über den Facheinzelhandel sowie über die eigenen Fachgeschäfte.

Naturkosmetiksektor: Transparenz für den Verbraucher soll den Vertrieb stützen

Die Vertriebswege selbst traten im Laufe der Diskussion eher in den Hintergrund. Der mündige Verbraucher desto mehr in den Vordergrund. „Wir sehen ein großes Potential durch Social Media mit den Konsumenten in Kontakt und dadurch zum Kauf der Produkte zu kommen“, schob Riegmüller für das amerikanische Unternehmen Dr. Bronners diese Blickrichtung an. „Wir versuchen digital, 100 Prozent Transparenz zu erzielen, warum wir hinter unseren Produkten stehen und welche Geschichte wir damit haben“, so Riegmüller weiter.

Naturkosmetiksektor benötigt gemeinsame Handlungsplattform

Auf Glaubwürdigkeit für den Verbraucher setzt auch Weleda. „Wir haben nun ein eigenes Magazin und online-Infos. Die Stories berichten zu unserer „Ethischen Marke“, auch um Abgrenzung zu anderen Marktteilnehmern zu schaffen“, betonte Stroink. Für das Segment Naturkosmetik sah er dabei eine fehlende Plattform als Sprachrohr für übergreifende Interessen.

Fehlendes gemeinsames Handeln bemängelte auch Becker, der für den Vertrieb Mund zu Mund Werbung bevorzugt: „Vor allem gegen Produkte und Unternehmen, die sich grün machen, um günstig hergestellte Produkte teuer zu verkaufen, haben dadurch zu viele Spielräume“, so Becker. Seine Problemanzeige richtete sich dabei gegen die Vielfalt der Siegel im Natuskosmetiksektor, die für ihn den Verbraucher eher verwirren als informieren.

Eigene Marke entwickeln vor gemeinsamem Handeln

Diese Problemanzeigen hatte jedoch keine Folgen. Vielmehr setzten alle Gesprächteilnehmer auf die jeweilige Markenentwicklung.

„Unsere Stärke als Marke ist die Glaubwürdigkeit für den Verbraucher“, merkte Riegmüller für Dr. Bronners dazu an: „Unser Ansatz für mich ist, etwas gutes mit unseren Produkten zu machen.“ Folge: Bei Dr. Bronners geht seit Anfang der 2000er Jahre ein Drittel des Gewinns in soziale Projekte.

Richard, der mit Farfalla seit 32 Jahren am Markt ist und damit einer der Pioniere der Branche: „Wichtig ist hinter der eigenen Marke zu stehen und für die Produkte leidenschaftlich einzutreten.“ Stroink und Becker sahen das ebenfalls so.

Naturkosmetiksektor: Die Smartphone-App als neuer Informationskanal

Der Online-Handel sowie das Bereitstellen von glaubwürdigen Informationen für den Verbraucher über das Internet blieb während der gesamten Diskussion Thema. Richard pointierte das für das inzwischen allgegenwärtige Smartphone so: „Mit der App „Codecheck“ wissen die Verbraucher nach klar festgelegten Kriterien, ob ein Produkt gut ist oder nicht, wenn sie im Geschäft stehen. Da müssen wir hinkommen und präsent sein.“

[Text/Bild: Kosmetiknachrichten.de]

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