BUND Kosmetik-Studie – sachlich nicht unumstritten: Kritik vom IKW

BUND Kosmetik-Studie zu hormonähnlichen Wirkungen kosmetischer Produkte: Die nachrichtenarme Zeit im Sommer wird gerne genutzt, um mit Sensationsmeldungen, sonst wenig beachtete Themen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Vermeintliche Horrormeldungen über Kosmetika tauchen dabei immer wieder in der öffentlichen Berichterstattung auf.

So auch in diesem Jahr: Mit einer Studie zu hormonell aktiven Stoffen in Kosmetika macht der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e. V.), nun auf sein ToxFox-Projekt und sich selbst aufmerksam.

Im Rahmen des Projektes wurden nach BUND-Angaben 60.000 kosmetische Mittel untersucht und darin Stoffe mit hormonähnlicher Wirkung gefunden. Dazu passend wurde eine App vorgestellt, mit der Verbraucher am Point-of-Sale prüfen können soll, ob das jeweilige Produkt diese Stoffe enthält. Details dazu finden Sie unter dem folgenden Link:

http://www.bund.net/themen_und_projekte/chemie/toxfox_der_kosmetikcheck/

Auch wenn sie zunächst gefährlich klingen mögen, bei der Bewertung der BUND-Ergebnisse ist in mehrfacher Hinsicht Skepsis angebracht: Sowohl der Zusammenhange zwischen Kosmetik und angeblichen Gesundheitsgefahren, als auch die Art und Durchführung der „Untersuchung“ und die in der Datenbank hinterlegten Informationen sind, laut einer Presseveröffentlichung des Industrieverband Körperpflege und Waschmittel, nicht unumstritten.

„Wer in Deutschland kosmetische Mittel kauft, kann sie ohne gesundheitliche Bedenken anwenden. Das gewährleisten sorgfältige Sicherheitsbewertungen der Hersteller und die wissenschaftlich fundierte Prüfung und Genehmigung durch nationale und internationale Behörden.“ schreibt IKW in einer Presseinformation zum Thema.

Unabhängig vom Absender der Nachricht, Fakt ist: Deutschland bzw. Europa haben mit der europäischen Kosmetikverordnung eine der strengsten Sicherheits- und Kontrollvorschriften für Kosmetika weltweit. Und Fakt ist auch: Kosmetika, die diesen hohen Standards nicht genügen, dürfen in Europa weder beworben, noch verkauft werden. Der Schutz der Verbraucher hat dabei, laut Europäischer Kommission, oberste Priorität.

Darüber hinaus wird im Rahmen von Warnungen vor vermuteter hormonähnlicher Wirkung bestimmter Inhaltsstoffe nicht immer deutlich genug zwischen einem theoretischen Risiko und einer realen Gefahr unterschieden. Beispiel: Salz ist für den Menschen in großen Mengen schädlich, aber eine Prise Salz würzt das Essen. Tomaten enthalten das giftige Alkaloid Tomatin, tragen jedoch, in üblichen Mengen zur gesunden Ernährung bei. Ähnlich ist es mit möglicherweise hormonell aktiven Stoffen in Kosmetika: Sie sind für den Menschen zwar weder notwendig noch nützlich, kommen jedoch mit dem menschlichen Körper in nur so geringer Menge in Kontakt, dass eine hormonähnliche Wirkung in der Praxis nicht zu erwarten ist.

Dies bestätigen auch die für die gesundheitliche Sicherheit verantwortlichen Behörden, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung, das feststellt: „Entscheidend für die Einschätzung des gesundheitlichen Risikos ist die Exposition, also der Umfang, in dem ein Mensch mit einer endokrin [hormonell, Anm. des Autors] wirkenden Substanz in Kontakt kommt. Die derzeit vorliegenden Daten zur Exposition gegenüber einzelnen Substanzen ergeben keine wissenschaftlich fundierten Belege für eine Gesundheitsgefährdung, auch nicht für besonders empfindliche Verbrauchergruppen wie Kleinkinder oder Jugendliche in der Pubertät.”

Darüber hinaus ist auch die Datenbasis der App nicht unumstritten. Schließlich wird mit dem Handy der EAN-Code eingescannt. Dieser steht jedoch in keinem Zusammenhang zu der Formel bzw. den tatsächlichen Inhaltsstoffen der Produkte. Daher kann ein Stoff in der Datenbank hinterlegt sein, der möglicher Weise früher einmal in einem gleichnamigen Produkt mit demselben EAN-Code enthalten war, aber gar nicht Bestandteil der aktuellen Rezeptur ist.

Laut Angaben des IKW sind in der Datenbank bei einigen Kosmetika außerdem Stoffen als Inhaltsstoffe vermerkt, die in der Rezeptur aber letztlich tatsächlich gar nicht enthalten sind.

Es ist gut und richtig, auf mögliche Risiken hinzuweisen und es ist selbstverständlich, dass jeder Kosmetikverwender und jede Kosmetikverwenderin einen Anspruch auf gesundheitlich unbedenkliche Produkte hat. Eine unprätentiöse, ausgewogene, sachliche und an Fakten orientierte Kommunikation aller Beteiligten wäre, im Sinne der Verbraucher jedoch, genauso wünschenswert.

[Text/Bild: kosmetiknachrichten]

Unternehmen

Einzelhandel

ROSSMANN und ServiceNow: Drogeriemarkt-Filialist geht langfristige strategische Partnerschaft ein

Burgwedel. ROSSMANN und ServiceNow. Der Drogeriemarkt-Filialist vereinbart mit dem führenden US-amerikanischen Softwareunternehmen eine langfristige strategische Partnerschaft. Ziel der Zusammenarbeit ist es dabei, die Digitalisierung zentraler Service- und Supportprozesse konsequent voranzutreiben. Das heißt damit, effizientere interne […]
Branchennews

Verpackungsindustrie im Umbruch: Henkel eröffnet modernisiertes Packaging Competence Center für Verpackungen der Zukunft

Düsseldorf. Verpackungsindustrie im Umbruch. Neue Nachhaltigkeitsvorschriften, die steigende Nachfrage nach kreislauffähigen Lösungen und der Wandel hin zu einer digitalisierten Fertigung legen die Messlatte für Verpackungen höher. Dieses erfordert gezielte Innovationen und eine engere Zusammenarbeit. Henkel […]
Naturkosmetik

Familienfreundlichkeit bei Primavera: kununu zeichnet das Naturkosmetikunternehmen für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben aus

Oy-Mittelberg. Familienfreundlichkeit bei Primavera. „Die im deutschsprachigen Raum führende Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu hat uns für unsere Familienfreundlichkeit ausgezeichnet“, erklärt der Hersteller von Naturkosmetik- und Aromatherapieprodukten dazu. Das sogenannte Top Rated-Siegel wurde zum ersten Mal vergeben. Es […]
Einzelhandel

ROSSMANN Geschäftsbilanz 2025 & Ausblick 2026: Rekordumsatz, Geschäftsführerwechsel und neue zentrale Service-Plattform

Burgwedel. ROSSMANN Geschäftsbilanz 2025. Nach einem Überblick zur Geschäftsentwicklung zu Beginn des Jahres schaut der Drogeriemarktfilialist nochmals ausführlicher zurück auf 2025. Fazit: „Ein weiteres Rekordjahr: Als einer der führenden europäischen Drogeriekonzerne schließt ROSSMANN das Geschäftsjahr […]

Personalien

Branche

Branchennews

EmpCo-Richtlinie der EU kommt ohne dringend notwendige Übergangsfrist. „Der Handel braucht frühzeitig rechtskonforme Verpackungen“ so der HDE

Berlin. „Die EmpCo-Richtlinie der EU (Empowering Consumers for the Green Transition) verschärft die Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen europaweit“, erklärt der Handelsverband Deutschland (HDE). Diese solle Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Greenwashing schützen. EmpCo-Richtlinie: Gesetzliche […]
Branchennews

Verpackungsindustrie im Umbruch: Henkel eröffnet modernisiertes Packaging Competence Center für Verpackungen der Zukunft

Düsseldorf. Verpackungsindustrie im Umbruch. Neue Nachhaltigkeitsvorschriften, die steigende Nachfrage nach kreislauffähigen Lösungen und der Wandel hin zu einer digitalisierten Fertigung legen die Messlatte für Verpackungen höher. Dieses erfordert gezielte Innovationen und eine engere Zusammenarbeit. Henkel […]