Darmstadt. Gefälschte Kosmetik und dessen mögliche Folgen für die Gesundheit von Käufern thematisiert das digitale Verbraucherportal haut.de. Im Experteninterview steht dabei Birgit Huber, Bereichsleiterin des Kompetenzpartners Schönheitspflege im Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW), Rede und Antwort.
Birgit Huber ist Lebensmittelingenieurin und Leiterin des Kompetenzpartners Schönheitspflege beim IKW. Sie verfügt über mehr als 40 Jahre Berufserfahrung in der Kosmetikbranche. Als anerkannte Expertin für kosmetische Produkte wirkt sie in unterschiedlichen Gremien mit, so z. B. in der Kosmetik-Kommission beim BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung), im Vorstand des IVDK (Informationsverbund Dermatologischer Kliniken) sowie in diversen europäischen Kommissionen. Häufig sind Beiträge von Birgit Huber mit Hintergrundinformationen zu kosmetischen Fragestellungen in internationalen und nationalen Zeitschriften sowie Fachbüchern zu finden.
Gefälschte Kosmetik: …zu billig, um wahr zu sein
haut.de: Woran merken Verbraucherinnen und Verbraucher, dass ein Produkt gefälscht sein könnte?
Birgit Huber: Häufig sind es erst einmal kleine Unstimmigkeiten. Die Verpackung wirkt „irgendwie anders“, die Schrift ist unsauber gedruckt und der Duft stimmt auch nicht mit dem des gewohnten Lieblingsprodukts überein. Manchmal fällt das auch erst bei der Anwendung auf, wenn die Textur ungewohnt ist oder die Haut plötzlich sensibel reagiert. Wenn ein Schnäppchen zu billig ist, um wahr zu sein, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Gefälschte Kosmetik können Stoffe enthalten, die innerhalb der EU verboten sind
haut.de: Warum ist Fake-Kosmetik mehr als nur ärgerlich? Was macht sie potenziell gefährlich?
Birgit Huber: Es geht hier nicht nur darum, dass ein Produkt anders als erwartet aussieht. Immer wieder geht es auch sehr konkret um die Gesundheit. In gefälschter Kosmetik können Stoffe enthalten sein, die innerhalb der EU verboten sind. Sie können z. B. über verunreinigte Inhaltsstoffe oder unsaubere Produktionsbedingungen in das Produkt gelangt sein. Das kann zu Hautausschlägen oder allergischen Reaktionen bis hin zu Narbenbildung und anderen langfristigen Auswirkungen führen.
Gefälschte Kosmetik: Wer fälscht, nutzt das Vertrauen aus, das Marken über Jahre aufgebaut haben.
haut.de: Warum wird Kosmetik so häufig gefälscht?
Birgit Huber: Kosmetikprodukte sind Produkte, die wir jeden Tag verwenden. Viele Menschen haben ihre Lieblingsprodukte und Lieblingsmarken – sie sind dementsprechend emotional mit den Produkten verbunden. Das sind ideale Voraussetzungen für Plagiate. Wer fälscht, nutzt das Vertrauen aus, das Marken über Jahre aufgebaut haben. Kosmetikhersteller investieren jährlich hohe Beträge in Forschung und Entwicklung, strenge Qualitätskontrollen sowie umfassende Sicherheitsbewertungen. Fälschungen sehen dem Original vielleicht ähnlich, liefern aber oft weder diese Sicherheit noch die Qualität – und erst recht nicht das gleiche Produkterlebnis.
Gefälschte Kosmetik: Einkauf beim Hersteller oder auf seriösen Online-Marktplätzen gibt Sicherheit
haut.de: Was raten Sie beim Online-Kauf ganz konkret – wie erkenne ich seriöse Anbieter?
Birgit Huber: Ich empfehle, entweder direkt beim Hersteller oder auf seriösen Online-Marktplätzen zu kaufen. Hierbei können Gütesiegel helfen, die z. B. eine geprüfte Händlerqualität bestätigen.
Ob eine Website seriös ist, zeigt sich auch daran, ob folgende Punkte gut sichtbar auf der Seite zu finden sind:
- Vollständiges Impressum mit Name, Anschrift, Handelsregistereintrag und Kontaktmöglichkeit
- Seriöse Bezahlmethoden wie Kreditkarte, PayPal oder Rechnungskauf
- Klare Rückgabe- und Widerrufsregeln
- Realistische Kundenbewertungen
- Realitätsnahe Preise
Gefälschte Kosmetik: Produktkennzeichnung für den Einzelhandel in Deutschland
haut.de: Woran erkennt man direkt am Produkt selbst, ob etwas nicht stimmt?
Birgit Huber: Die Gesetzgebung schreibt vor, dass Kosmetik, die in Deutschland verkauft wird, auch auf Deutsch gekennzeichnet sein muss. Bestimmte Angaben sollten gut erkennbar sein:
- Füllmenge
- Verwendungszweck und evtl. Hinweise zur Anwendung
- Inhaltsstoffe
- Haltbarkeit
- Chargennummer
Wenn diese Informationen fehlen oder nur teilweise lesbar sind, sollte man von einem Kauf besser absehen.
haut.de: Vielen Dank für das Gespräch!
[Text/Bild: Haut.de/Privat]

