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5000 neue Mitarbeiter in Jahresfrist – zweistelliges Umsatzwachstum im Geschäftshalbjahr 2012/2013: dm-Vorsitzender Erich Harsch glänzt mit Zahlen bei der Bilanzpressekonferenz. Sein eigentliches Anliegen: die Entgeltstrukturen bei dm und Forderungen daraus für die Tarifpolitik im Einzelhandel

dm-Logo-200Wie entwickelt sich der dm-drogerie markt im Jahr nach der Insolvenz von Schlecker? „Gut“, so der Tenor von Erich Harsch, dem Vorsitzende der Geschäftsführung des Unternehmens, bei der Bilanzpressekonferenz zum Geschäftshalbjahr 2012/2013 (Oktober 2012 – März 2013).

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„Im ersten Halbjahr unseres Geschäftsjahres haben wir in Deutschland einen Umsatz von 2.871 Mio. Euro erreicht und liegen damit um 16,2 Prozent über dem Vorjahreshalbjahr mit 2.470 Mio. Euro. Auf vergleichbarer Fläche, also „bereinigt“, haben wir mit etwas mehr als 10 Prozent ebenfalls eine zweistellige Entwicklung erreichen können“, warf Harsch einen Blick auf die Bilanzzahlen. Die Zahl der Mitarbeiter im Unternehmen – Harsch nannte sie „Kolleginnen und Kollegen“ – stieg zudem durch die Übernahme von Läden aus der Konkursmaßnahme von Schlecker/Ihr Platz sowie durch Neueröffnungen im letzten Jahr erheblich. Harsch: „In Jahresfrist erhöhte sich deren Anzahl um rund 5.000 auf 31.728; die Anzahl der dm-Märkte wuchs um 111 auf 1.417 zum 31.3.2013.“

Zur nahen Zukunft des Drogeriefilialisten befand der geschäftsführende Vorsitzende deshalb: „Die Attraktivität von dm als Mieter wird dazu führen, dass wir im Geschäftsjahresverlauf einen deutlich höheren Filialzuwachs haben werden als zu Beginn des Geschäftsjahres im Oktober erwartet.“ Zu den Schätzungen der Lebensmittelzeitung, dass der Gruppenumsatz 7,7 Milliarden Euro zum Ende des Geschäftsjahres erreichen werde hielt er sich jedoch zurück: „Das kann durchaus zutreffen. Wir planen allerdings zurückhaltender und sind wie immer verhalten optimistisch.“

Die Halbjahresbilanz war aber nicht das Thema, das Harsch auf dieser Bilanzpressekonferenz anschneiden und vertiefen wollte. Da ging es ihm um andere Zeitfragen:

– Die besonderen Aktivitäten von dm zum 40-jährigen Jubiläum des von Prof. Götz W. Werner 1973 gegründeten Unternehmens

– Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei dm und die damit verbundene Einkommensfindung

– dm und das tarifpolitische Ringen um Entgeltstrukturen im Einzelhandel

– dm-Forderungen zur Tarifpartnerschaft

Harsch-20121810_dm_PK_077-1Aktionen zum 40-jährigen Jubiläum

Harsch: „Wir sind mitten im 40. Jahr unseres Bestehens, in dem wir unseren Kunden ein breites und unterhaltsames Kulturangebot machen und mit ihnen angemessen feiern wollen.

Am liebsten würden wir mit unseren rund 15 Millionen Kundinnen und Kunden, die regelmäßig zu uns zum Einkaufen kommen, ein riesiges Dankeschön-Fest veranstalten. Das geht leider nicht. Deshalb haben wir uns Geschenke für die Kunden überlegt, die man so nicht kaufen kann. Wir organisieren deutschlandweit Feste und Veranstaltungen und verlosen zum Beispiel dabei besondere Begegnungen mit Künstlern. Etlichen Tausend Menschen werden wir so die Möglichkeit bieten können, schöne Feste zu feiern oder attraktive Konzerte, kabarettistische Darbietungen oder wunderbare Ballettabende zu besuchen.

Wir planen Veranstaltungen mit großartigen Künstlern wie Nena, Xavier Naidoo, Rumpelstil, Michael Mittermeier, mit PUR, den Fanta4, Nigel Kennedy, James Blunt und Dr. Eckart von Hirschhausen. Die Künstler werden in exklusivem Rahmen für dm-Kunden auftreten in Städten wie Köln, Berlin und Hamburg.

Bereits in diesen Tagen verlosen wir Karten für unsere ersten beiden Konzerte in Köln mit Nena am 6. Juli und Xavier Naidoo am 7. Juli. In der Bundeshauptstadt werden am 3. August Rumpelstil und am 4. August Michael Mittermeier auftreten.

Im Jubiläumsjahr wollen wir für unsere Kultur-Events auch als „FEST“-Unterstützer nicht fehlen. Wir wollen dazu beitragen, dass dieses weit abstrahlende Top-Ereignis in Karlsruhe wieder ein Erfolg wird. So unterstützen wir die Intention der „FEST“-Macher, dass es in Karlsruhe viele erfolgreiche und bekannte Künstler für nur fünf Euro am Tag zu erleben gibt.

Kurz vor dem FEST planen wir wieder ein besonderes Kulturereignis. Bereits zum vierten Mal laden wir gemeinsam mit dem Festspielhaus Baden-Baden, mit dem wir gerne und intensiv kooperieren, zu einem grandiosen Ballettereignis ein: Nach Hubbard Street Dance aus Chicago 2010, den Tänzerinnen und Tänzern der São Paulo Companhia de Dança 2011 und dem Hans-van–Manen-Ensemble 2012 ist es in diesem Juni 2013 das New-York-City-Ballett „Cedar Lake“, das erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder in Deutschland gastiert. Für diese Veranstaltung werden wir jeweils 500 Karten an Schüler verschenken und weitere 500 Karten unter Kunden verlosen.

Im Oktober wollen wir unsere Kulturimpulse mit einer ganz besonders auf dm zugeschnittenen Darbietung abrunden. Für ein Musikereignis, bei dem das Miteinander verschiedener Stile im Vordergrund steht, werden wir nochmals 1.000 Karten verlosen. Zum Programm können wir bislang nur sagen, dass es ein hochinteressantes Zusammenwirken vom Kammerorchester über Popinterpreten und Sinfonieorchester bis hin zu einer avantgardistischen Dance-Company sein wird.

Der Zuspruch unserer Kunden hat es uns ermöglicht, in den vergangenen vier Jahrzehnten nach der Gründung von dm durch Götz W. Werner mehr als 1.400 dm-Märkte in Deutschland zu eröffnen. Deshalb wollen wir zusätzlich zu unseren Künstler-Events auch in vielen weiteren Städten mit unseren Kunden feiern. Unsere Wurzeln sind zwar in Karlsruhe. Wir sind aber mittlerweile in ganz Deutschland präsent: von Konstanz im Süden bis Flensburg im Norden und von Aachen im Westen bis Görlitz im Osten. Jeder dm-Markt ist an seinem Marktplatz individuell für die dortigen Kunden da und eben keine standardisierte Klonung eines Karlsruher Urmodells. Individualität und Vielfalt sind uns wichtig. Unsere Kolleginnen und Kollegen bei dm sollen und dürfen den Unterschied machen! Die zentralen Ressorts nennen wir nicht ohne Grund „Filialunterstützende Dienste“.“

Mitarbeiter und Einkommen

Harsch: „Die mehr als 31.000 Kolleginnen und Kollegen (alle Mitarbeiter, inklusive Filialen in europäischen Nachbarstaaten) haben unseren Erfolg ermöglicht. Die Bestwerte für dm in Umfragen und diversen Studien belegen, dass die Kunden mit uns zufrieden sind. In der dm-Geschäftsführung ist uns wichtig, dass die Verantwortlichen ihre ganze Aufmerksamkeit ebenso den Mitarbeitern wie den Kunden widmen. Mein Kollege ist, genau genommen, der mir nächste Kunde.

Deshalb möchte ich im zweiten Teil meiner Ausführungen auf die Zusammenarbeit bei dm und die damit verbundene Einkommensfindung eingehen. Und ich möchte darüber hinaus klarstellen, welche grundsätzliche Haltung wir bei dm zu diesem Themenfeld haben. Ich werde ausführen, was wir für erforderlich halten und was wir uns deshalb von den verantwortlichen Politikern und Tarifparteien wünschen.
In den Medien ist oft die Rede von der sogenannten Einkommensschere, also dem immer weiteren Auseinanderklaffen und Spreizen zwischen den hohen und den niedrigen Einkommensgruppen. Nicht unwesentlich hat unserer Ansicht nach die Gepflogenheit der vergangenen Jahre – in den Tarifvereinbarungen und in den diversen gesellschaftlichen Exkursen – beigetragen, das Thema auf einen Veränderungsprozentsatz zu konzentrieren. Dadurch entsteht automatisch ein nicht unerheblicher Teil des kritisierten Effekts, denn es ist eine mathematische Binsenweisheit, dass der absolute Abstand zwischen hohen und niederen Zahlen wächst, wenn derselbe Prozentsatz darauf angewandt wird.

Wir bei dm haben deshalb schon vor vielen Jahren einen anderen Weg eingeschlagen und eine Einkommensordnung etabliert, die sich losgelöst hat von starren Schemata und Rechenverfahren. Die individuelle Würdigung der Biografien und Bedürfnisse unserer Kolleginnen und Kollegen, natürlich im Kontext der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, ist uns dabei sehr wichtig.

Selbstverständlich stellen die Festlegungen der jeweiligen Tarifverträge den Mindeststandard dar, der allen bei dm tätigen Menschen garantiert wird. Die meisten Menschen bei dm bewegen sich, bezogen auf das Jahreseinkommen, ein gutes Stück oberhalb dieses tariflichen Standards. Der durchschnittliche Stundenlohn eines dm-Mitarbeiters liegt heute bei fast 13 Euro und der der 1.400 Filialleiter deutlich über 20 Euro. Unsere gemeinschaftlichen Einkommensfindungsprozesse haben keine Prozentleitlinien als Vorgabe, sondern sie ermöglichen angemessene Entwicklungen in den jeweiligen Arbeitsgruppen. Dabei spielt es eine viel größere Rolle, wie sich die absoluten Beträge verändern, denn schließlich haben wir nicht Prozentwerte, sondern absolute Werte auf unseren Konten und konkrete Summen in unseren Geldbeuteln.

In der Gemeinschaft wird schnell deutlich, dass bei überwiegender Anwendung von Prozentsätzen Schwierigkeiten entstehen. Denn es hat zwingend ein Auseinanderdriften zur Folge, wenn bei einer Erhöhung von 3 Prozent ein Mitarbeiter 90 und der andere nur 60 Euro an Einkommenssteigerung erhalten soll, nur weil der eine einen Ausgangsbetrag von 3.000 Euro hat und der andere 2.000 Euro verdiente. Dieser Spreizeffekt wiederholte sich unter Umständen mehrere Jahre. Der problematischste Punkt des Umgangs mit den bisherigen Tarifvereinbarungen ist also, dass das System an sich die Schere zwischen Geringverdienern und Spitzenverdienern immer weiter auseinanderklaffen lässt. Auch wir bei dm mussten beständig daran arbeiten, dass die Schere nicht auseinandergeht – weil der Flächentarif einerseits und die Wettbewerbsfähigkeit andererseits auch für uns die Basis darstellten.“

dm und das tarifpolitisches Ringen um Entgeltstrukturen im Einzelhandel

Harsch: „ver.di und HDE haben in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe Punkte erarbeitet, die ein neues Tarifsystem erfüllen muss. Sie konnten sich leider nicht auf die Details einigen. Wir erfüllen diese Forderungen, eine davon ist eine transparente und strukturierte Einkommensordnung, wie sie seit Jahren bei dm existiert. Wir erfüllen auch eine zweite Forderung, denn unsere Vorgehensweise dient der Beseitigung von Diskriminierungen. Bei dm gibt es drittens auch keine gehaltliche Benachteiligung von Frauen. Und wir haben Lösungswege gefunden zur Überwindung der aus unserer Sicht überkommenen Differenzierung von Gehalts und Lohnempfängern.

Unsere Regelungen entsprechen auch der Anforderung, dass die Einkommensstrukturen einfach und gut nachvollziehbar sein sollen. Ob neue Technologien, neue Arbeitsabläufe oder neue Vertriebssysteme, unser Gehaltssystem ist aufgrund der Breite der bei uns definierten Einkommensbänder und der freibleibenden Formulierung und Einordnung der jeweiligen individuellen Aufgaben anpassungsfähig.

Heute haben wir dennoch das Problem, uns am alten Tarifkonzept, das in der Nachkriegszeit entwickelt und nie richtig modifiziert wurde, orientieren zu müssen. Dieses honoriert oft nicht hinreichend die geleistete Arbeit und die persönliche Verantwortungsbereitschaft. Flächentarifverträge folgen oft eher politischen Großwetterlagen, als dass sie rationalen Kriterien gerecht werden. Für ein bundesweit agierendes Unternehmen ist dabei kaum eine handhabbare Orientierung gegeben. Zum Beispiel schwankt das tarifliche Einstiegsentgelt je nach Bundesland im Einzelhandel um rund zwei Euro pro Stunde von der niedrigsten bis zur höchsten Tarifvereinbarung.

Wenn wir schon seit 2010 argumentieren, dass wir gegen einen gesetzlichen Mindestlohn und für ein tarifvertraglich vereinbartes und allgemeingültiges Basisentgelt votieren, dann geschieht dies in der Hoffnung, dass sich die Tarifpartner einigen können. Das war bislang, wie gesagt, leider nicht der Fall.“

dm-Forderungen zur Tarifpartnerschaft

Harsch: „Deshalb plädieren wir für eine rasche Einigung der Tarifpartner unter Berücksichtigung folgender Punkte:

1. Die Einkommensfindung sollte sich an absoluten Werten orientieren, statt auf prozentualen Steigerungen zu basieren. Es kommt letztendlich darauf an, was netto im Geldbeutel bleibt.

2. Ein Inflationsausgleich ist ein einfaches Rechenexempel; die Tarifpartner täten gut daran, sich zur Veränderung auf der Basis absoluter Werte hier auf eine Faustformel zum jährlichen Ausgleich der Inflationsrate zu einigen.

3. Die Tarifpartner sollten die Flächentarifverträge endlich harmonisieren.

4. Schlupflöcher sollten konsequent gestopft werden, um die Lohnspirale nach unten zu unterbinden. In Filialen der Lebensmittel- und Drogeriebranche hat Leiharbeit unseres Erachtens keine Berechtigung, weil das Geschäft in der Regel relativ konstant verläuft und es durch eine konstruktive Arbeitszeit- und Mitarbeitereinsatzplanung gut möglich ist, auch Belastungen zu prognostizieren.

5. Im Interesse der arbeitenden Menschen sollten Leiharbeitsverhältnisse nur dazu dienen, Spitzenbelastungen auszugleichen und nicht dazu, bestehende Tarifvereinbarungen systematisch und langfristig unterwandern zu können. Wir bei dm nutzen deshalb nur in den Verteilzentren und hier nur kurzfristig Leiharbeit, weil es bei unerwarteten Entwicklungen, die sich dort über 1.400 Märkte hinweg zeitpunktartig kumulieren können, durchaus sinnvoll sein kann, Auftragsspitzen ausnahmsweise mit Leiharbeit auszugleichen.

6. Schlupflöcher für Lohndumping durch Werkverträge bei der Erbringung einer händlerischen Tätigkeit sind konsequent zu schließen.

7. Einkommen sollten in Zukunft nicht aufgrund veralteter Tarifstrukturen vereinbart werden, sondern individuelle Potenziale und Entwicklungen sollten im Tarifvertrag viel besser Berücksichtigung finden.

8. Wir plädieren dafür, die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifvereinbarungen der Tarifpartner anzustreben. Wir werden uns auch weiterhin an die Tarifverträge halten und vertrauen auf den Gestaltungswillen des HDE als Arbeitgebervertretung. Wir sind in keinem Verband, weil es auch im Handel sehr unterschiedliche Interessen gibt, nicht zuletzt deshalb, weil verschiedene Branchen unterschiedliche Voraussetzungen haben. Aber auf einen allgemeinverbindlichen Tarif im Handel sollten sich alle Beteiligten einigen können.

9. Noch ein Satz zu den Managergehältern: Wir werden der Regel gerecht, dass niemand bei uns mehr als das 20-Fache des Durchschnittseinkommens verdient. Und ich finde es durchaus richtig, abstrus hohe Millionengehälter öffentlich zu problematisieren. Eine gesetzliche Regelungserfordernis sehe ich dabei aber nicht, denn es müsste im Interesse der Gesellschafter und Aufsichtsräte liegen, im eigenen Verantwortungsbereich keine unverhältnismäßig hohen Gehälter zuzulassen. Und wenn doch, müssen dort eben auch die Folgen vertreten werden. Ich vertraue darauf, dass die Unkultur der Eigennutzenmaximierung langfristig nicht nachhaltig sein wird.“

Fazit

„Der Einzelhandel bietet auch in Zukunft gute, lebendige und interessante Arbeitsplätze für Hunderttausende an, wenn sachgerechte Einkommensgestaltungen erreicht werden. Und ich bin sehr optimistisch, dass wir weiterhin eine wichtige Rolle als Händler und Spezialist für drogistische Produkte in den Augen der Menschen in Deutschland spielen können. Wir werden uns auch weiterhin bemühen, der kompetenteste und preiswerteste Anbieter von Drogeriewaren zu sein und eine Arbeitsgemeinschaft, an der sich viele Menschen beteiligen wollen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.“

[Text/Bild: dm]