Herausforderung Lohnnebenkosten: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks veröffentlicht Forderungspapier

Köln. Zur Herausforderung Lohnnebenkosten für das Friseurhandwerk nimmt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) aktuell Stellung. Er veröffentlichte deshalb ein Forderungspapier, das eine Deckelung der Lohn- und Lohnnebenkosten von Seiten der Politik fordert. Ziel dabei: Das Friseurhandwerk von weiterhin steigenden Kosten hierbei zu entlasten.

Der ZV schreibt dazu auf der Internetseite: „Die Entwicklung der Lohn- und Lohnnebenkosten stellt das Friseurhandwerk vor wachsende Herausforderungen. Als personalintensive Branche ist es in besonderem Maße von steigenden Sozialversicherungsbeiträgen betroffen, die sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Planung der Betriebe sowie auf Beschäftigung und Ausbildung auswirken.“

In diesem Beitrag erläutern wir deshalb die aktuellen Entwicklungen und ordnen ihre Bedeutung für das Friseurhandwerk ein. Unsere Präsidentin Manuela Härtelt-Dören bezieht dazu in einem Statement klar Position. Ergänzend analysiert zudem Dirk Reisacher, ZV-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Soziales, in einem Kurzinterview die Hintergründe. Er benennt dabei aus Sicht des Verbandes notwendige politische Maßnahmen. Abschließend stellen wir unser Forderungspapier mit konkreten Handlungsforderungen vor.“

Herausforderung Lohnnebenkosten: Statement der ZV-Präsidentin Manuela Härtelt-Dören

„Steigende Sozialversicherungsbeiträge gefährden unsere Betriebe und damit Beschäftigung und Ausbildung im Friseurhandwerk. Unsere personalintensiven Betriebe geraten dadurch massiv unter Druck. Es ist nicht akzeptabel, dass gesamtgesellschaftliche Aufgaben weiterhin über Beiträge von Betrieben und Beschäftigten finanziert werden. 

Wir brauchen dringend eine verbindliche Sozialgarantie mit einem klaren Beitragsdeckel sowie die vollständige Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Nur mit gezielten Entlastungen – insbesondere für Auszubildende und niedrige Entgeltgruppen – kann das Friseurhandwerk auch künftig Arbeitsplätze sichern und ausbilden.“

Herausforderung Lohnnebenkosten – Definition und Zusammensetzung

Lohnnebenkosten sind die Aufwendungen, die Arbeitgeber:innen zusätzlich zum Bruttolohn eines Arbeitnehmenden tragen müssen. Sie fallen bei allen Formen der abhängigen Beschäftigung an – also bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten, Minijobbern sowie Auszubildenden.

Zu den Lohnnebenkosten gehören insbesondere:

  • Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung
  • Gesetzliche Umlagen: U1 (Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall), U2 (Mutterschaftsleistungen), U3 (Insolvenzgeldumlage)

Herausforderung Lohnnebenkosten: Warum steigende Sozialversicherungsbeiträge das Friseurhandwerk besonders belasten – Ein Interview

ZV: Herr Reisacher, warum treffen steigende Sozialversicherungsbeiträge das Friseurhandwerk besonders stark? 

Dirk Reisacher: Mit einer Personalkostenquote von bis zu 60 Prozent ist das Friseurhandwerk besonders stark von steigenden Sozialversicherungsbeiträgen betroffen. Jeder Beitragsanstieg erhöht unmittelbar die Arbeitskosten, treibt Preise nach oben und bringt viele Betriebe an die Grenze der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

ZV: Welche konkreten Folgen haben weiter steigende Abgaben für Beschäftigung und Ausbildung in den Betrieben?

Dirk Reisacher: Das Friseurhandwerk reagiert sehr sensibel auf strukturelle Belastungen. Der Trend zu Kleinbetrieben und Einzelunternehmen wird sich weiter verstärken. Das beschleunigt den Abbau von Arbeitsplätzen, verhindert Neueinstellungen und lässt die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiter sinken. Gleichzeitig drohen mehr Schwarzarbeit, weitere Betriebsaufgaben und deutlich eingeschränkte Spielräume für höhere Tarifabschlüsse.

ZV: Was erwarten Sie jetzt konkret von der Politik, um das Friseurhandwerk und andere personalintensive Branchen zu entlasten? 

Dirk Reisacher: Wir brauchen dringend eine umfassende Reform der Sozialversicherungssysteme. Zentrale Voraussetzung ist eine verlässliche, gesetzlich verankerte Sozialgarantie, die Planungssicherheit schafft. Versicherungsfremde Leistungen und gesamtstaatliche Aufgaben müssen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden – die Beitragszahler, insbesondere in der gesetzlichen Krankenversicherung, dürfen nicht weiter belastet werden.

Darüber hinaus sollten progressive Elemente in den Sozialabgaben geprüft werden, um niedrige Einkommen und personalintensive Branchen gezielt zu entlasten. Eine wirksame Unterstützung der Berufsausbildung und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind dabei unverzichtbar.

Herausforderung Lohnnebenkosten: Die Forderungen des ZV zusammengefasst vom Magazin der TOP HAIR International GmbH

  • Die Einführung einer verbindlichen, gesetzlich verankerten Sozialgarantie, die einen klaren Beitragsdeckel vorsieht. Ein Automatismus soll steigende Ausgaben nicht durch Beitragserhöhungen, sondern durch einen steuerfinanzierten Ausgleich kompensieren
  • Dass versicherungsfremde und gesamtgesellschaftliche Leistungen vollständig aus Steuermitteln finanziert und nicht länger über Sozialversicherungsbeiträge von Beschäftigten und Betrieben getragen werden
  • Gezielte Entlastungsinstrumente für personalintensive Branchen wie das Friseurhandwerk. Dazu zählen eine Entlastung bei den Arbeitgeberanteilen für Auszubildende sowie für Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen

Zum Forderungspapier.

[Text/Bild: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks TOP HAIR International GmbH/Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks]

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